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Die Schule muss schulreif werden

„Die Ausgangslage für den Beitritt des Kantons Zug zum Konkordat ist sehr gut. Die meisten Eckwerte sind bereits erfüllt“, Zitat aus einer Stellungsnahme der Schulpräsidentenkonferenz des Kantons Zug. Geschätzte Leserin, geschätzter Leser. Die Schule ist im stetigen Umbruch und eilt von Reform zu Reform. Der Schulbetrieb wird immer wieder umgekrempelt und anders organisiert. Dies zum Nachteil unserer Kinder. Wer hat vor wenigen Jahren geahnt, dass im Englisch und Französisch plötzlich bereits in der Primarschule Noten verteilt werden? Seinerzeit haben die Befürworter verlauten lassen, dass die Fremdsprachen spielerischen Charakter haben sollen und das Kind so viel lernen kann, wie es seine Fähigkeiten zulassen. Bald werden Noten eingeführt und das Kind muss drei Sprachen lernen, ob es will oder nicht. Da redet niemand mehr von spielerischem Lernen. Wenn die Eltern der schulpflichtigen Kinder dies gewusst hätten, hätten sie vielleicht nicht zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe gewollt.

Bei HarmoS haben wir eine ähnliche Ausgangslage. In der Gesetzesvorlage sind die Artikel so verfasst, dass sie im Nachhinein ausgedehnt und erweitert werden können, ohne dass der Kanton oder die Gemeinde etwas dazu zu sagen haben. Entschieden wird im Gremium des Konkordates und die Gemeinden haben es umzusetzen und zu bezahlen. Beispielsweise existiert das Wort Kindergarten in der Gesetzesvorlage nicht mehr. Es wird von der Vorschule oder Eingangsstufe geschrieben, wer das Gefühl hat, dass in Zukunft in der Vorschule oder in der Eingangsstufe gleich viel Zeit zum Spielen bleibt wie bis anhin und so Sozialkompetenz erfahren wird, der Irrt sich.

Zukünftig wird schon in den Anfangsjahren in der Schule Hochdeutsch und nicht mehr Mundart gesprochen, so steht das Sinngemäß in einem Artikel zum Konkordat. Wenn die emotionale Reife des Kindes nicht genügend weit fortgeschritten ist, wird es durch besondere Maßnahmen unterstützt. Dies ist ein weiteres sinngemäßes Zitat aus dem Gesetzestext. Vielleicht ist das Kind einfach noch zu jung, um schulische Leistung zu erbringen. Die Pisa-Studie hat ergeben, dass nicht mit der frühen Einschulung der Kinder das Bildungsniveau steigt, sondern das Gegenteil konnte man der Studie entnehmen. Finnland schneidet bei der Pisa-Studie am besten ab, obwohl die Kinder im hohen Norden erst mit sieben Jahren die Schulbank drücken. In Deutschland konnte man feststellen, dass zu früh eingeschulte Kinder während ihrer Schulzeit fünfmal häufiger sitzen bleiben, als normal eingeschulte Kinder. Die frühe Einschulung bedarf ein Höchstmaß an Individualisierung, so dass die Kinder gezielt gefördert werden können.

Dies hat zur Folge, dass die Klassengrößen kleiner werden und mehr Lehrpersonen benötigt werden, um die Kinder bedarfsgerecht zu unterrichten. Dies konnte man schon beim Wechsel vom Regel- zum Integrativen Schulunterricht feststellen. Folge dessen wurden Heilpädagogen eingesetzt, um die Klassenlehrpersonen zu entlasten. Die Schule braucht Zeit und Ruhe, um die bereits beschlossenen Reformen und Änderungen umzusetzen und zu verfestigen. Ich bitte Sie das Referendum „Nein zu HarmoS“ zu unterstützen. Die Harmonisierung der Schule ist eine Veränderung, welche das Volk diskutieren und entscheiden muss. Die Ziele über die Harmonisierung der Schule müssen klar und deutlich definiert sein und nicht mit schwammigen Paragraphen wiedergegeben werden. Die Schule ist kein Tummelplatz für egoistische Funktionäre, welche Zeichen setzen wollen, die Schule ist die Schmiede lernfreudiger und verantwortungsbewusster Menschen.

Thomas Villiger, Hünenberg
Kantonsrat
2. Mai 2009

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