Replik zum Leserbrief in der Zuger Zeitung vom 12.08.25 zu den Nachwahlen in den Regierungsrat „Zug hat verloren“
Der Leserbrief von Frau Susanne Köhler vom 12.8.2025 greift eine wichtige Debatte auf: Die Entwicklung des Zuger Wahlsystems und die Rolle der Konkordanz. Die Behauptung, «die Bürgerlichen» hätten mehrfach, zuletzt 2019 den «freiwilligen Proporz» versprochen und dieses Versprechen gebrochen, bedarf einer wichtigen Präzisierung. Die Meinungen innerhalb der kantonalen bürgerlichen Parteien waren historisch diametral unterschiedlich.

Die heutige Situation ist das Ergebnis der Volksabstimmung vom 9. Juni 2013. Damals wurde die Verfassungsinitiative «Ja zu Personenwahlen» (Majorzinitiative) an der Urne angenommen. Befürwortet und injiziert wurde diese Initiative hauptsächlich von der FDP und der damaligen CVP (Die Mitte), die sich mit dem Slogan «Köpfe statt Parteien» für die Abschaffung des Proporzwahlsystems stark machten. Sie setzten sich mit ihrem Anliegen im dritten Anlauf mit einem klaren Ja-Anteil von 62,8 % demokratisch durch.
Die SVP Kanton Zug hingegen wehrte sich damals überzeugt gegen diese Änderung. Sie sprach sich ganz klar für die Weiterführung des damals geltenden Proporzes aus. Mit der Annahme der Initiative trat im Herbst 2014 das neue Wahlrecht erstmals in Kraft. Seither finden alle kantonalen Exekutivwahlen auch im Kanton Zug im Majorz statt.
Die kürzliche Nachwahl vom 10. August zeigt übrigens gut, dass in diesem System parteiunabhängige Kandidaten, also die «neuen Köpfe» kaum eine Chance haben. Der parteilose Bewerber erhielt im 2. Wahlgang nur knapp 10 % aller Stimmen.
Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler entschied sich für einen Kandidaten, der von etablierten Parteien unterstützt wurde. Der aktuelle Zustand ist somit eine direkte Konsequenz der demokratischen Volksabstimmung von 2013. In der Tat «hat Zug (damals ein historisch gesehen bewährtes Proporz-Wahlsystem) verloren».
Nun auch der bürgerlichen SVP Verlust an Glaubwürdigkeit zu unterstellen greift viel zu kurz, ganz im Gegenteil, wir sehen uns in unserer damaligen dezidierten Ablehnung bestätigt, einmal mehr!
Nicht «die Bürgerlichen» haben ihr Versprechen gebrochen, sondern Die Mitte und die FDP. Die SVP hat bekanntlich weder am 15.6. noch am 10.8 zusätzliche Sitzansprüche in der Regierung gestellt. In diesem Sinne gilt tatsächlich: Zug hat damals sein historisch bewährtes Proporzsystem leider verloren.
Philip C. Brunner
Präsident SVP Kanton Zug
Kantonsrat, Zug

