Die Individualbesteuerung schafft neue Ungerechtigkeiten
In einem Punkt sind wir uns vermutlich alle einig: Die Heiratsstrafe gehört definitiv abgeschafft! Aber ist die Individualbesteuerung wirklich der richtige Weg? Dürfen wir einer so ungerechten und bürokratisch aufwendigen Vorlage wirklich zustimmen oder warten wir nicht lieber, bis im Herbst 2026 das Splittingmodell der Mitte (JA- zu fairen Steuern) vors Volk kommt?

Wieso ungerecht?
Die Individualbesteuerung schafft neue Ungerechtigkeiten: Am meisten profitieren jene Familien, in denen beide Partner viel arbeiten und ähnlich gut verdienen. Ehepaare, die sich für eine eigenständige Kinderbetreuung entscheiden und bei denen ein Elternteil nur wenig oder gar nicht erwerbstätig ist, werden steuerlich sogar stärker belastet.
Oder wie es Dr. oec. publ. Serge Gaillard (Sozialdemokrat und Experte für Finanzpolitik) in seinem Interview vom 31.01.26 im Tagesanzeiger sehr eindrücklich ausführt: Kann es sein, dass eine Familie, in der beide Ehepartner je 75’000 Fr. im Jahr verdienen, 10 x weniger Steuern bezahlt als eine Familie, bei der nur ein Partner arbeitet und ebenfalls 150’000 Fr. im Jahr verdient.
Wieso bürokratisch aufwendig?
Mit der Einführung der Individualbesteuerung müssten künftig zwei separate Steuererklärungen pro Haushalt ausgefüllt werden. Das entspricht jährlich rund 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen. Der bürokratische Aufwand würde massiv steigen und liesse sich nur mit weit über 1000 zusätzlichen Steuerbeamten sowie einer kostspieligen Systemumstellung in den Kantonen bewältigen – alles finanziert durch die Steuerzahler! Zudem müsste für die individuelle Vermögensbesteuerung der gemeinsame Besitz eines Ehepaars aufgeteilt werden. Es wäre also zu klären, wem beispielsweise das Auto oder das Haus in welchem Anteil gehört.
Auf jeden Fall müssen wir uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Heiratsstrafe abgeschafft wird, aber die Individualbesteuerung der FDP ist für mich definitiv der falsche Weg! Warten wir lieber auf die Vorlage der Mitte, welche ein Splitting vorsieht, das bereits in sehr vielen Kantonen mit Erfolg umgesetzt wird. Für mich bedeutet dies am 8. März ein ganz klares NEIN zur Individualbesteuerung der FDP und dann im Herbst ein bekennendes «JA – zu fairen Bundessteuern auch für Ehepaare» der Mitte!
Fränzi Keiser, SVP Baar

