Der Mythos vom Fachkräftemangel
Das Argument ist allgegenwärtig: Die Schweiz sei auf immer mehr Zuwanderung angewiesen, da sonst Spitäler und Pflegeheime kollabieren und Baustellen stillstehen. Wer die Einwanderung begrenzen wolle, nehme mutwillig in Kauf, dass „Grossmutters Pflegebett“ leer bleibt. Doch dieses Argument hält einer sachlichen Prüfung nicht stand.

Offizielle Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Zwischen 2022 und 2025 wanderten jährlich brutto rund 215’000 bis 224’000 Personen ein. Dass diese Zahlen deutlich über der offiziellen Kommunikation des Staatssekretariats für Migration (SEM) liegen, liegt daran, dass Asylsuchende und Schutzbedürftige (Status S) dort oft gar nicht erst mitgezählt werden.
Ein Blick auf die häufigsten Zuwanderungsberufe im Kanton Zürich – etwa Softwareentwickler, Reinigungskräfte, Kellner oder Finanzfachkräfte – entlarvt zudem den Mythos vom reinen Fachkräftemangel: Gemäss dem Fachkräftemangel-Index 2025 zählen diese Branchen gerade nicht zu den klassischen Mangelberufen.
Zwar arbeiten viele ausländische Kräfte im Gesundheitswesen, doch dabei wird ein entscheidender Punkt ausgeblendet: Zuwanderung erhöht nicht nur das Arbeitsangebot, sondern auch die Nachfrage nach Leistungen. Zuwanderer pflegen oft wiederum Zuwanderer. So lag der Ausländeranteil unter den stationären Covid-Patienten im Zuger Kantonsspital während der Pandemie bei rund 29 Prozent.
Hinzu kommt: Laut SECO waren Ende März rund 13’000 Personen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen arbeitslos gemeldet. Wenn selbst SRF titelt: «Arbeitslosigkeit steigt auch in der Pflege», wird klar: Das Problem liegt nicht an einem Mangel an Menschen, sondern an den Arbeitsbedingungen und Strukturen.
Solange Unternehmen bequem im Ausland rekrutieren können, sinkt der Anreiz zur eigenen Ausbildung. Es ist günstiger, Personal zu importieren, als in den heimischen Nachwuchs zu investieren. Das muss sich ändern: Die Schweiz muss wieder verstärkt auf Eigenverantwortung in der Ausbildung setzen, statt den Fachkräftemangel dauerhaft zu importieren.
Wer diese Fakten anspricht, ist kein Rassist, sondern benennt eine Realität, die sich in Arbeitsmarkt und Statistik spiegelt. Deshalb: Ja zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz».
Michael Riboni, SVP-Kantonsrat, Baar

