Ein Blick zurück in die Zukunft – unsere Chance am Seeufer wahren
Die Entscheidung des Grossen Gemeinderates, den Kauf der Artherstrasse 6 nicht zu unterstützen, hat verständlicherweise Diskussionen ausgelöst. Während die einen auf Kosten und den «Nutzen» blicken, sei mir ein Blick zurück in die Geschichte unserer Stadt erlaubt: Kennen Sie die Geschichte der «Athene» an der Hofstrasse?

In den 80er-Jahren stand dieses Gebäude auf der Abbruchliste des Kantons. Kein Nutzen mehr, baufällig, viel zu teuer – die Argumente tönten ähnlich wie heute bei der Villa Unterer Frauenstein. Auch damals brauchte es eine Volksinitiative, damit Bürgerinnen und Bürger mitreden konnten. Heute, Jahrzehnte später, ist die «Athene» nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Wir sind alle stolz, dass dieses Erbe, das älteste Schulhaus des Kantons Zug bewahrt wurde. Wir verdanken es engagierten und weitsichtigen Bürgern. Stehen wir heute nicht vor einer ähnlichen Situation?
Die Artherstrasse 6 ist eine Perle direkt am See, die «Petite Villette» der Stadt Zug. Eine solche Liegenschaft in der öffentlichen Hand ist keine Frage des «Kassensturzes», sondern eine Frage einer strategischen Weitsicht. Wenn ein solches historisches Bauwerk, erbaut von einem der berühmtesten Schweizer Architekten, Leonhard Zeugheer einmal an Dritte verkauft ist, dürfte der Zutritt für Generationen verloren sein.
Offenbar war die Vorlage des Stadtrates für eine Mehrheit des GGR nicht reif. Das sollte nicht das Ende dieser demokratischen Debatte sein. Wenn wir über die Zukunft unserer Stadt nachdenken, geht es um die Lebensqualität für alle – besonders für jene, die in ihrem Wohnumfeld keinen Park mit Grünfläche haben. Es wäre ein schönes Zeichen, wenn wir die demokratische Möglichkeit erhielten, über diesen Jahrhundertkauf selbst zu entscheiden. Nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung gegenüber unseren Nachfahren.
Lassen wir uns Zeit zum Nachdenken: Welches Zug wollen wir der Nachwelt hinterlassen? Ein Zug, das jede Chance am See kurzfristigem Denken opfert – oder eines, das sich einen öffentlichen Garten grad neben dem Casino Zug gönnt? Ich lade alle ein, die Diskussion über die «Perle am See» wertschätzend und sachlich weiterzuführen. Wir haben die Zukunft in unserer Hand, denn das Schicksal der «Athene» ist ein Mahnmal! Frühere Glücksfälle sind übrigens das Schicksal der «Burg Zug» oder des neu eröffneten «Theilerhauses» – beides Gebäude, für welche man viele Jahre brauchte um die richtige Nutzung zu finden und umzusetzen.
Philip C. Brunner
Präsident GPK Stadt Zug
Gemeinderat

