Ein Ja aus direkter Nachbarschaft
Viele Gegner des Metalli-Neubaus sprechen über Architektur, als würde man in einem Museum wohnen. Ich wohne direkt daneben. Ich höre morgens die Lieferwagen, abends die Gespräche auf dem Platz und manchmal nachts auch jene Motorräder, die offenbar glauben, die Baarerstrasse sei Teil von Monza. Wenn jemand also allen Grund hätte, gegen eine Weiterentwicklung der Metalli zu sein, dann vermutlich wir direkten Anwohner. Trotzdem stimme ich Ja.

Vielleicht gerade deshalb, weil man als Nachbar sieht, was viele in der Debatte romantisieren. Die heutige Metalli funktioniert zwar noch immer erstaunlich gut, aber gewisse Teile wirken inzwischen wie eine Zeitkapsel aus den 1980er-Jahren: viel Beton, wenig echter Aufenthaltsraum und ein Zentrum, das tagsüber lebt, abends jedoch teilweise erstaunlich leblos wirkt. Man kann natürlich alles konservieren wollen, einfach weil man sich daran gewöhnt hat. Aber Städte funktionieren nicht wie Heimatmuseen.
Bemerkenswert finde ich vor allem den Widerspruch in der Diskussion. In Zug klagt man regelmässig über fehlenden Wohnraum, über steigende Mieten und darüber, dass sich Normalverdiener die Stadt kaum noch leisten können. Sobald dann an zentralster Lage zusätzliche Wohnungen entstehen sollen, entdeckt man plötzlich die absolute Unantastbarkeit jedes bestehenden Gebäudewinkels. Das ist ungefähr so logisch, wie gegen neue Züge zu sein und gleichzeitig über volle Perrons zu klagen.
Auch die Vorstellung, Zug dürfe sich optisch nie verändern, wirkt etwas seltsam. Die heutige Metalli war bei ihrer Entstehung selbst hoch umstritten. Heute wird sie behandelt, als hätte bereits Wilhelm Tell dort eingekauft.
Natürlich bringt ein Umbau vorübergehend Lärm und Einschränkungen. Das wird für uns Nachbarn nicht immer angenehm sein. Aber eine Stadt, die sich aus Angst vor Baustellen nicht mehr weiterentwickelt, beginnt irgendwann zu erstarren. Und Stillstand war noch selten ein überzeugendes Rezept für lebendige Zentren.
Darum stimme ich Ja zum Metalli-Neubau. Nicht trotz meiner Nähe zum Projekt, sondern gerade wegen ihr.
Simon Ruckstuhl, Vorstand SVP Stadt Zug

