Eine andere Sicht auf die Neutralitätsinitiative
Wer kann von sich schon behaupten, in diesen undurchsichtigen politischen wie auch kriegerischen Zeiten ein einwandfreies Urteil über zwei oder auch mehrere Konfliktparteien abzugeben? In solchen Konflikten möglichst objektiv bleiben kann wohl nur, wer seine ideologischen Ansichten nicht über den Versuch stellt, beide Parteien zu verstehen.

Wir Menschen haben schon Mühe, in einer Paarbeziehung und in der Familie gerechte Urteile zu fällen. Zu viel Angst, etwas zu verlieren, egoistisches Verhalten usw. verfälschen unsere Entscheidungen. Genauso ist es leider auch auf der politischen Bühne. Wie oft haben wir erfahren müssen, dass sich Aussagen von Grossmächten anschliessend als Lügen entpuppt haben? Oder wie oft haben sich Einmischungen derselben in Konflikte anderer Länder für alle Beteiligten im Nachhinein als grosser Fehler herausgestellt? Sich aufgrund irrtümlicher Einschätzungen mit Sanktionen gegen ein Land zu stellen, kann nicht unser Ziel sein. Darum sind wir gut beraten, in fremden Angelegenheiten nicht den Moralapostel zu spielen, sondern die Parteien zu verstehen und unsere guten Dienste zu vermitteln. So einfach ist das.
Auch als neutraler Vermittler zeigt man Haltung gegenüber Parteien, welche einen Konflikt in Kauf nehmen, bei welchem unzählige unschuldige Opfer zu beklagen sind. Die immerwährende Neutralität in die Verfassung zu integrieren, ist auch ein Handwerkszeug für die politischen Kräfte in diesem Land. Damit kann eine klare Linie vertreten werden. Stimmen wir Ja zur Neutralitätsinitiative, damit wir als unparteiisches Land eine Alternative in Form einer Vermittlerrolle gegenüber dem Kriegsgeschrei anbieten können.
Daniel Berglas, Steinhausen

