Es geht um die Identifikation
«Frauen als blosse Dekoration» Ausgabe Zuger Zeitung vom 19. Februar

Vorab ist festzuhalten, dass der Journalistin eine Dreiviertelseite für den Bericht, mir als Leserbriefschreiber nur 2200 Zeichen zur Verfügung stehen. Dies begründet die abstrakte Meinungsäusserung. Dem positiven Basteln, den blechernen Hits und allgegenwärtiger Kreativität steht gegenüber: Saufen, Kostüme ab Stange, alte Männer in schlecht sitzenden Anzügen, die in Männerbünden Macht und Status verwirklichen.
Dazu junge, hübsche, stumm lächelnde Frauen, die lediglich der Dekoration dienen, und überhaupt bleiben sie meist ungenannt, denn sie sind nur fürs Auge da. Dies die Zusammenfassung der Ansicht von Frau Avanzini. Zu ihrer Begründung beruft sie sich auf eine Soziologin, nimmt deren Studie und reisst Teile davon aus dem Kontext. Herabwürdigender kann man Frauen oder eben Ehrendamen wohl kaum beschreiben.
Fasnacht ist Brauchtum und Tradition zugleich. Dies trifft aber auch für Schwing-, Älpler-, Musik- und Turnfeste zu. Unendlich die Liste der lebendigen Traditionen als Teil der kulturellen Vielfalt und Identität. Zum Anforderungsprofil von Ehrendamen gehört erstens und allübergreifend die Identifikation, sei es mit «alten Männern» – in der Regel verdiente Persönlichkeiten –, mit dem Brauchtum oder der Tradition, welche Werte und Normen unserer Gesellschaft leben, pflegen und weitergeben.
Deshalb gibt es nicht selten Castings oder ich beispielsweise durfte mir meine Ehrendamen selber auswählen. Und eben ganz wichtig: Sie sind heute noch berührt und stolz. Es gibt an etwelchen Orten nahezu 80-jährige Frauencliquen, Frauen als Fasnachts- oder Zunftoberhäupter, Männer in der Funktion «Ehrenmen», die Aufzählung ist schier unendlich und keine frönt dem Feminismus oder Maskulismus, sondern identifiziert sich in erster Linie mit dem Brauchtum oder der Tradition.
Dass Traditionen lebendig sind, sich verändern oder gar neu erfinden, ist bewiesen: Meine Mutter war bereits 1992 Fasnachtsoberhaupt mit «Ehrenmen». Zusammengefasst bleibt festzuhalten: Der Kommentar zur Fasnacht ist im Klartext grottenschlechter Journalismus. Er ist schlecht recherchiert, nicht fundiert und einer Ideologie folgend geschrieben.
Noch etwas zum Nachdenken: Nicht selten und oft lehren uns Geschichte und Gegenwart, dass Ideologien mit der Endung «-ismus» nicht alle unbedingt vom Guten sind!
Felix Zweifel, Allenwinden

