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Futter fehlt: Jetzt droht Kühen der Metzger

Die Wiesen sind wieder grün, doch die Folgen der Trockenheit bleiben. Zuger Bauern müssen teures Futter zukaufen – oder ihren Viehbestand reduzieren.

Die grosse Hitze und Trockenheit sind vorbei. Überraschend schnell wurden dank der Regenfälle der vergangenen Wochen aus gelben Flächen wieder grüne Wiesen. Alles wieder gut also? Nicht wirklich, betonen drei Zuger SVP-Kantonsräte.

Die seit Mitte Juni anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen setzten vielen Zuger Landwirtschaftsbetrieben schwer zu. Weil die Weiden vertrocknet sind, müssen viele Bauernfamilien bereits jetzt auf die Winterfutterreserven zurückgreifen», schreiben Karl Nussbaumer, Brigitte Wenzin Widmer und Esther Monney in einer Interpellation.

Es drohe akute Futterknappheit. «Gleichzeitig steigen die Preise für Heu und Silage stark an. Für einige Betriebe hat dies bereits drastische Konsequenzen: Um die Futterversorgung zu sichern, stehen erste Bauernhöfe vor der Entscheidung, ihren Viehbestand vorzeitig zu reduzieren oder Tiere zu verkaufen.» Aus diesem Grund fordern die SVP-Kantonsrätinnen eine Lagebeurteilung, eine Einschätzung dazu, wie viele Betriebe in welchen Gemeinden betroffen seien sowie unbürokratische Hilfe.

Die Crux mit den Kieshängen

Gegen unbürokratische Hilfe hätte auch Ernst Bachmann nichts. Der Menzinger führt im Weiler Brettigen einen Milchbetrieb mit 23 Kühen. Es handelt sich um eine idyllische, für Menzingen typisch hüglige Gegend. Diese hat jedoch ihre Tücken. «An den Kieshängen ist die Humusschicht sehr dünn. Entsprechend reagieren sie rasch, wenn es trocken ist, und es wächst kein Gras mehr.»

Bachmann verlor aufgrund der Trockenheit einen «Schnitt», konnte also einmal weniger mähen. «Der Verlust beträgt rund 80 Kubikmeter Silage, also etwa 50 Rundballen.» Der letzte Schnitt habe zudem nur wenig Heu gebracht. Auch mit Wasserknappheit hatte der Bauer zu kämpfen. «Doch die wirkt sich nicht finanziell aus.» «Ich habe schon mit der Winterfütterung angefangen.»

Das Resultat des kargen Graswuchses: Die Kühe können aufgrund des Futtermangels nicht mehr auf die Weide, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben wäre. Der Bund habe jedoch in diesem Sommer eine Ausnahme für betroffene Landwirte ausgesprochen. «Ausserdem habe ich schon mit der Winterfütterung angefangen.» Noch bleiben die Tiere vom Metzger verschont Noch müsse er kein Vieh in die Metzg geben. «Jetzt haben wir noch Futter, aber was ist im Frühling?» Gerne würde Bachmann Futter regional einkaufen. Doch alle hätten dasselbe Problem. Viele müssen Grundfutter zukaufen. Doch von wo? «Auch in den umliegenden Ländern ist alles dürr.»

Zwar importieren viele Bäuerinnen Futter aus Übersee, doch handelt es sich dabei um Kraftfutter. «Als Grundfutter brauchen sie Rohfasern, etwa aus Gras oder Mais. Man kann die Tiere nicht mit Soja oder Getreidemischungen füttern.»

Die Alternative: Kühe weniger besamen, kranke Tiere oder solche, die schlechte Milch geben, schneller erlösen. «Im Normalfall päppelt man das Vieh auf. Es vorzeitig zu schlachten, tut uns weh, denn wir haben ja eigentlich Freude an den Tieren.»

Schon kleinere Beträge würden den Bauern helfen. Was sich Bachmann vom Kanton wünschen würde: «Unterstützung in Form von kleineren Beträgen. Man muss nicht jedem Bauern10’000 Franken geben. Mir wäre schon geholfen, wenn ich für den zusätzlichen Einkauf von Grundfutter kompensiert würde. Falls ich noch welches bekomme.» Für den Menzinger wäre das kein «Nice-to-have». Für ihn geht es um viel mehr.

«Ich laufe zwar nicht gerade am Existenzminimum, doch ist es sehr streng, einen so kleinen Betrieb allein zu führen. Ohne Nebenverdienst würde das nicht aufgehen.» Er betont aber auch: «Wichtiger, als vereinzelte Beiträge des Kantons zu erhalten, ist, dass der Milchpreis wieder ansteigt. Dieser wurde anfangs Jahr um vier Rappen gesenkt. Zwar wurde er zwischenzeitlich wieder angehoben, liegt aber noch nicht auf dem vorherigen Niveau.» Würden die Preise steigen, könne er kostendeckend arbeiten und es brauche keine Unterstützung des Kantons.

Karl Meienberg sieht sich mit denselben Problemen konfrontiert wie Bachmann. Der Menzinger SVP-Gemeinderat führte bis vor Kurzem selbst einen Hof mit 60 Kühen und einer kleinen Schweinemast. Anfang Jahr übernahm einer seiner Söhne den Betrieb. Auch hier sorgt der Mangel an Futter aktuell für Engpässe. «Von den vier Schnitten, die wir üblicherweise im Sommer machen, haben wir rund 1,5 verloren.» Entsprechend sei man daran, die Herde zu reduzieren.

Eine Lastwagenladung Futter: 11’000 Franken

Einen Teil der Einbussen habe man mit dem Einkauf von Futter aus Italien zu kompensieren versucht. «Mein Sohn hat einen ganzen Sattelschlepper voll Luzerneballen gekauft – es handelt sich dabei um eine sehr nahrhafte Futterpflanze, die überdies ziemlich resistent ist gegen Trockenheit», erklärt Karl Meienberg. Aber die Ladung kostete gemäss seinen Aussagen rund 11’000 Franken.

Um den Verlust ganz zu kompensieren, müssten noch rund 50 Tonnen zugekauft werden. «Das ist für einen Bauern, der frisch angefangen und auch Kühe gekauft hat, ziemlich hart.» Wie Bachmann hofft auch Meienberg nicht primär auf eine Unterstützung seitens des Kantons, sondern vielmehr darauf, dass der Milchpreis möglichst bald angehoben wird. Und nicht nur das: «Auch bei der Schweinefleischproduktion ist der Preis aktuell sehr tief. Damit lassen sich im Moment kaum Erträge generieren», so Meienberg.

Valeria Wieser Journalistin, zentralplus

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