Gut begleitet in die digitale Sackgasse?
An der Gemeindeversammlung in Steinhausen am kommenden Donnerstag wird eine Interpellation zum Einsatz digitaler Geräte in der Schule beantwortet. Die gestellten Fragen sind durchaus berechtigt: Werden die Geräte beaufsichtigt? Welche Software ist erlaubt? Wie wird Gamen verhindert? Der Gemeinderat beantwortet sie sorgfältig. Und doch verkennt die Interpellation das eigentliche Problem.

Denn wer fragt, wie digitale Geräte in der Schule kontrolliert werden, setzt stillschweigend voraus, dass sie dort richtig am Platz sind. Die eigentliche Frage aber müsste lauten: Brauchen Kinder im Kindergarten und in der Unterstufe überhaupt digitale Geräte?
Der Regierungsrat des Kantons Zug hat sich in seinem Bericht vom 18. November 2025 zu einem Postulat gegen digitale Geräte im Kindergarten und in der Unterstufe eingehend mit dieser Frage auseinandergesetzt und ist zu einem klaren Befund gekommen: Die negativen Auswirkungen digitaler Medien im frühen Kindesalter überwiegen. Die Folgen reichen von Konzentrationsstörungen über Sprachverzögerungen bis hin zu eingeschränkter sozialer Interaktion. Der Regierungsrat empfahl deshalb, auf digitale Geräte im Kindergarten und in der Unterstufe zu verzichten und verbindliche Medienkompetenzen erst ab der 3. Klasse festzulegen, also dann, wenn Aufmerksamkeit, Sprache und Selbststeuerung gefestigt sind.
Die Neurowissenschaft bestätigt dieses Bild. Studien zeigen, dass intensive Bildschirmnutzung in der frühen Kindheit jene Hirnregionen schwächt, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Empathie zuständig sind, und das nicht vorübergehend. Bereits die blosse Anwesenheit eines Geräts im Sichtfeld verringert nachweislich die kognitive Leistung. Was früh verkümmert, lässt sich später nur schwer reaktivieren.
Gerade weil Kinder heute ausserhalb der Schule ohnehin von Bildschirmen umgeben sind, hat die Schule eine besondere Verantwortung: Sie sollte einen Gegenpol bilden, keinen weiteren Bildschirm hinzufügen. Im Kindergarten und in der Unterstufe (bis Ende der 2. Klasse der Primarstufe) geht es um Sprache, Bewegung, Handschrift und das Lernen mit allen Sinnen. Diese Grundlagen entstehen nicht am Tablet. Sie sind jedoch die Voraussetzung dafür, digitale Kompetenzen später sinnvoll zu erwerben.
Der Kantonsrat Zug hat das entsprechende Postulat im Januar 2026 bedauerlicherweise für nicht erheblich erklärt. Das entbindet die Gemeinden aber nicht von ihrer Verantwortung, sondern überträgt sie vielmehr ihnen.
In Steinhausen wird am Donnerstag über Kontrolle diskutiert. Die eigentliche Frage, ob digitale Geräte im Kindergarten und in der Unterstufe überhaupt sinnvoll sind, wird dabei nicht gestellt. Die Antwort liegt jedoch nahe: Im Kindergarten und in der Unterstufe sollte vollständig auf digitale Geräte verzichtet werden.
Livio Bundi, Kantonsrat SVP
Steinhausen

