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Kantonsrat Oliver Wandfluh verabschiedet sich von den Wählerinnen und Wählern

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Vor 16 Jahren sass ich, als frisch gewählter Kantonsrat und politisch noch grün hinter den Ohren, das erste Mal im Ratssaal. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert. Als ich als Kantonsrat begann, lasen wir im Saal noch Zeitung aus Papier, und das Smartphone war noch neu.

Heute dominieren Digitalisierung und künstliche Intelligenz unseren Alltag. Wir haben globale Krisen, Verschiebungen von Machtzentren, Kriege und Konflikte, Wirtschaftskriege und Protektionismus erlebt. Doch während sich die Welt technologisch und gesellschaftlich im Eiltempo verändert hat, sind meine Grundwerte für unseren Kanton dieselben geblieben: Es braucht nach wie vor gesunde Finanzen, Sicherheit, Eigenverantwortung statt staatlicher Umerziehung und einen starken Wirtschaftsstandort, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern.

Für diese Werte habe ich mich unermüdlich und gerne eingesetzt. Mit klarer Kante, klaren Worten und stetig unbequem für meine politischen Gegner. Etwas, das in den letzten 16 Jahren bei vielen leider verloren ging.

Als ich vor 16 Jahren begann, waren SVP, FDP und CVP klar bürgerlich und haben den Rat gemeinsam dominiert. In der Sache wurde hart gefochten, aber immer mit offenem Visier, und trotzdem genehmigte man sich nach der Sitzung gemeinsam ein paar Biere. Heute hat die CVP nicht nur ihren Namen geändert, sondern ist auch klar links abgedriftet. Es dominieren nicht mehr Ecken und Kanten, klare und ehrliche Worte und ein gutbürgerlicher Kompromiss, sondern Opportunismus, Profilierungssucht, populistisches Anbiedern, Konsenswahn und Harmoniesucht.

Und wie in jeder Wohlstandsgesellschaft mit ihren unzähligen Möglichkeiten setzen sich leider auch immer weniger Leute für Vereine und die Allgemeinheit ein. Man setzt sich nur noch für seine eigenen Interessen ein und macht heute dies und morgen das. So ist es heute leider auch im Kantonsrat üblich, dass man zum Teil bereits nach neun Monaten genug hat und wieder aussteigt, geschweige denn eine ganze Legislatur zu Ende macht. In dieser kurzen Amtszeit machte man aber die unsinnigsten Vorstösse, wie etwa jenen, auf der Rössliwiese ein Hexendenkmal zu errichten, um nur ein Beispiel zu nennen.

Und so ist auch der Kantonsrat nur ein Abbild der Gesellschaft. Mit schlauen und weniger schlauen Köpfen, solchen, die voranschreiten, und solchen, die mitlaufen, Reichen und – im Kanton Zug nicht Armen, aber weniger Reichen –, gross, klein, dick, dünn (ja, ich sage das noch so), eine bunte Durchmischung der Gesellschaft.

Mein Fazit, frei nach einem Songtitel von Herbert Grönemeyer: «Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders». Es hat mir – die meiste Zeit – Spass gemacht. Ich konnte politische Siege feiern, habe aber auch herbe Niederlagen eingesteckt. Und jetzt – bleibt alles anders.

Ich danke herzlich den Wählerinnen und Wählern, die mir über all die Jahre hinweg ihr Vertrauen geschenkt haben. Dieses Vertrauen war mir stets Verpflichtung und Ansporn zugleich.

Ebenso danke ich meinen Kolleginnen und Kollegen der SVP-Fraktion und unseren beiden Regierungsräten. Es war mir eine Ehre, mit Euch für unsere gemeinsamen Werte und in der Sache zu kämpfen. Ein grosses Dankeschön gebührt der kantonalen Verwaltung für ihre professionelle Unterstützung und sehr gute Arbeit über alle Ämter hinweg. Mein grösster Dank gilt meiner Frau und meinen beiden Töchtern. Ohne Euren Rückhalt wäre Milizpolitik auf diesem Niveau nicht möglich gewesen. Ich liebe Euch!

Oliver Wandfluh, Baar

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