Schweiz und Neutralität: Warum ein JA zur Neutralitätsinitiative uns vor Krieg schützt
Die Welt um uns herum gerät zunehmend aus den Fugen. Kriege, geopolitische Spannungen sowie wirtschaftliche Verunsicherungen und Umwälzungen prägen die internationalen Nachrichten. Inmitten dieser globalen Turbulenzen steht die Schweiz an einem historischen Scheideweg. Die bevorstehende Abstimmung über die Neutralitätsinitiative stellt uns vor die fundamentale Frage, wie sich unser Land in einer immer friedloseren Welt positioniert?

Für uns im Kanton Zug – als offene, international verflochtene, aber tief in Schweizer Werten verwurzelte Region – ist die Antwort klar: Wir brauchen die bewaffnete, dauerhafte und umfassende Neutralität heute dringender denn je. Ein Ja zur Neutralitätsinitiative von Pro Schweiz ist ein entschiedenes Nein zu Krieg und fremden Händeln.
Die Schweizer Neutralität ist weder ein veraltetes Dogma noch ein Relikt des Kalten Krieges. Sie ist das wirksamste sicherheitspolitische Instrument, das unser Land je besessen hat. Seit über zweihundert Jahren hat uns das Prinzip der Nichteinmischung zuverlässig vor den verheerenden Konflikten unserer Nachbarn und globaler Machtblöcke bewahrt.
Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht und Krieg, sondern die Verweigerung unseres Landes, Partei bei fremden kriegerischen Auseinandersetzungen zu ergreifen. Sie schafft den nötigen Abstand zu den Konflikten dieser Welt und schützt uns alle davor, Schritt für Schritt in fremde Händel hineingezogen zu werden. Wer Partei ergreift, macht sich automatisch zur Zielscheibe der einen oder der anderen Seite. Genau diesen Teufelskreis bricht eine strikte bewaffnete integrale Neutralität auf.
Wir alle profitieren in herausragendem Masse von der Stabilität unseres Landes: von Vertrauen, Rechtssicherheit und politischer Vorhersehbarkeit. Gerade internationale Unternehmen schätzen die Schweiz, weil sie als verlässlicher, unparteiischer Boden gilt. Wenn die Schweiz weiter eigenmächtig wirtschaftliche oder politische Sanktionen verhängt oder sich militärischen Bündnissen annähert, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit als neutraler Akteur. Das gefährdet nicht nur unsere Rolle als geschätzte Vermittlerin der Guten Dienste, sondern schadet direkt unserer lokalen Wirtschaft. Ein schleichender Abbau der Neutralität höhlt das Fundament unseres Wohlstands von innen her aus.
In den letzten Jahren ist die frühere neutrale Schweizer Aussenpolitik leider ins Schlingern geraten. Die Einbindung in einseitige Sanktionsregime von Dritten und die schleichende Annäherung an fremde Militärbündnisse wie die NATO haben das Vertrauen in unsere Unparteilichkeit weltweit beschädigt. Doch Wirtschaftskriege und Sanktionen sind oft nur die Vorstufe zu militärischen Eskalationen. Auch wer sich an Wirtschaftskriegen beteiligt, gibt die klassische Schweizer Rolle auf und lässt sich vor den Karren fremder Mächte spannen.
Am Abstimmungssonntag vom 27. September geht es um eine Richtungsentscheidung für kommende Generationen. Wollen wir eine Schweiz, die sich unberechenbar in globale Machtkämpfe verstrickt, oder halten wir an den Prinzipien fest, welche uns über Jahrzehnte hinweg – nicht zuletzt während zweier Weltkriege – Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit gesichert haben?
Ein JA zur Neutralitätsinitiative ist keine Absage an die Welt um uns, sondern ein Bekenntnis zu einer Schweiz, die als friedlicher, unabhängiger und verlässlicher Partner wahrgenommen wird – bereit, wieder echte Gute Dienste für die Weltgemeinschaft zu erbringen. Sagen wir Ja zu unserer bewährten Neutralität – und damit klar Nein zu Krieg und Elend.
Philip C. Brunner, Zug
Präsident SVP Kanton Zug
Kantonsrat

