Zug am Limit
Der Kanton Zug gilt seit Jahren als wirtschaftliches Erfolgsmodell. Tiefe Steuern, stabile Rahmenbedingungen und eine konsequent wirtschaftsfreundliche Politik haben internationale Unternehmen und hochqualifizierte Arbeitskräfte angezogen.

Das zeigt sich längst auch im Alltag: In Zug hört man heute praktisch alle Sprachen der Welt, insbesondere Englisch, während Deutsch im öffentlichen Raum zunehmend zur Ausnahme wird. Die Folge sind hohe Steuereinnahmen, eine tiefe Arbeitslosigkeit und ein solider Finanzhaushalt. Zug funktioniert – zumindest auf den ersten Blick.
Doch der Erfolg hat Nebenwirkungen. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum ist auch die Zuwanderung stark gestiegen. Heute liegt der Ausländeranteil bei gut 30 Prozent. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist mit 44 Prozent nochmals höher. Damit gehört Zug schweizweit zu den Kantonen mit dem höchsten Bevölkerungsanteil mit internationalem Hintergrund. Diese Entwicklung wirkt sich spürbar auf den Alltag der Bevölkerung aus. Wohnraum wird knapper und teurer, der Verkehr nimmt zu, Infrastrukturen stossen an ihre Grenzen. Gemeinden, die früher einen klaren Dorfcharakter hatten, verändern sich rasant.
Besonders kontrovers diskutiert wird die Integration. Viele Expats bleiben nur wenige Jahre, lernen kaum Deutsch und bewegen sich primär in internationalen Kreisen. Das mag individuell bequem sein, gesellschaftlich ist es problematisch. Wo Sprache, Vereine und lokales Engagement fehlen, entstehen Parallelgesellschaften. Der gesellschaftliche Zusammenhalt, auf dem der Kanton Zug seit Jahrzehnten aufbaut, wird dadurch schleichend ausgehöhlt.
Integration ist keine Option, sondern eine Verpflichtung. Wer im Kanton Zug lebt, arbeitet und von tiefen Steuern, Sicherheit und hoher Lebensqualität profitiert, muss sich auch anpassen und einbringen – sprachlich, gesellschaftlich und kulturell. Genau dieser Stimmungsumschwung ist heute bereits spürbar. Die Akzeptanz in der Bevölkerung nimmt ab, der politische Druck steigt, und der Ruf nach Eingriffen wird lauter. Die Politik ist zunehmend gezwungen, stärker steuernd einzugreifen – etwa bei Zuwanderung, Wohnungsmarkt oder Integrationsauflagen. Das ist keine Drohkulisse, sondern eine direkte Folge mangelnder Integrationsbereitschaft.
Die Debatte wird oft als Gegensatz geführt: Wirtschaft gegen Bevölkerung, Wachstum gegen Lebensqualität. Das greift zu kurz. Hinzu kommt ein weiterer, zunehmend heikler Punkt: Einheimische geraten im Arbeitsmarkt unter Druck. In einzelnen Branchen werden sie durch ausländische Arbeitskräfte verdrängt – nicht weil diese besser qualifiziert wären, sondern weil sie günstiger sind oder flexiblere Bedingungen akzeptieren.
Das untergräbt Löhne, Karrieren und letztlich das Vertrauen in einen fairen Arbeitsmarkt. Eine wirtschaftsfreundliche Politik muss der ansässigen Bevölkerung dienen. Wenn Pflegepersonal, Lehrpersonen oder junge Familien keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden und gleichzeitig beruflich unter Druck geraten, kippt das Gleichgewicht.
Tiefe Steuern allein lösen diese Probleme nicht. Der erwirtschaftete Wohlstand muss gezielt in Infrastruktur, Verkehr, Sicherheit und Wohnungsbau investiert werden. Gleichzeitig braucht es eine klare, ehrliche und konsequente Integrationspolitik.
Der Kanton Zug steht nicht vor einem Entweder-oder, sondern vor einer Steuerungsfrage. Wachstum ist kein Selbstzweck. Nur wenn wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Tragfähigkeit im Gleichgewicht bleiben, bleibt Zug langfristig erfolgreich.
Alex Haslimann, Kantonsrat SVP Risch

