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Nach der Abstimmung ist vor der Diskussion

Die Nachhaltigkeitsinitiative wurde abgelehnt. Das Volk hat entschieden. Das ist zu respektieren.

Bemerkenswert ist jedoch, was seither geschieht. Kaum ist die Abstimmung vorbei, häufen sich die Stellungnahmen von Parteipräsidenten, Fraktionschefs und anderen Spitzenpolitikern. Plötzlich wird anerkannt, dass die Schweiz beim Wohnungsmarkt, bei der Infrastruktur, im Verkehr und bei der Zuwanderung vor echten Herausforderungen steht.

Man fragt sich unweigerlich: Warum erst jetzt?
Diese Entwicklungen sind nicht über Nacht entstanden. Die steigenden Mieten, die Wohnungsknappheit, die überlasteten Verkehrsachsen und das starke Bevölkerungswachstum beschäftigen die Menschen seit Jahren. Wer eine Wohnung sucht, wer täglich pendelt oder die Entwicklung seiner Gemeinde verfolgt, weiss das längst.

Ehrlicherweise gehöre ich sogar zu jenen, die von dieser Entwicklung profitieren. Die starke Zuwanderung erhöht die Nachfrage nach Wohnraum und lässt Immobilienwerte steigen. Trotzdem kann ich nicht einfach wegschauen. Denn was für einzelne finanziell attraktiv sein mag, kann für die Gesellschaft insgesamt zur Herausforderung werden. Wer heute eine Wohnung sucht, merkt das längst.

Was mich irritiert, ist die Geschwindigkeit, mit der nun plötzlich Handlungsbedarf erkannt wird. Während der Abstimmung wurde vor einfachen Lösungen gewarnt. Heute überschlagen sich dieselben Kreise mit Forderungen nach Massnahmen, Strategien und neuen Konzepten.

Der Eindruck entsteht, dass die Sorgen der Bevölkerung erst dann genügend Gewicht erhalten, wenn sie sich an der Urne bemerkbar machen. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass die nächsten Wahlen näher rücken. Der politische Tatendrang scheint jedenfalls regelmässig zuzunehmen, sobald der Wahlkampf beginnt.

Die Bevölkerung braucht jedoch keine neuen Analysen und keine medienwirksamen Ankündigungen. Sie erwartet konkrete Antworten auf konkrete Probleme. Wer heute erklärt, die Herausforderungen seien erkannt, sollte auch erklären, weshalb in den vergangenen Jahren so wenig passiert ist.

Denn eines wäre besonders enttäuschend: Wenn nach den Wahlen wieder Ruhe einkehrt – bis die nächste Initiative die Politik erneut daran erinnert, was viele Menschen im Alltag längst beschäftigt.

Simon Ruckstuhl, Zug

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