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Gesprochenes Hochdeutsch «Made in Germany» ist nicht die «bessere Mundart» sondern eine Fremdsprache

Herr Harry Ziegler hat in seinem guten Leitartikel vom 12.September das tiefere Problem umschifft

«Was aber, wenn diese Kinder, beispielsweise weil frisch aus Frankreich zugezogen, den Dialekt gar nicht verstehen?» fragt er. Gute Frage. Allerdings müsste man hier von der Mundart sprechen, denn das gesprochene Schweizerdeutsch ist kein Dialekt des Hochdeutschen. Wir kennen kantonale Dialekte wie den Zürcher-, Berner-, St.Galler-, Bündnerdialekt. Man hört sofort, wo jemand aufgewachsen ist. Für den schriftlichen Umgang, der dann natürlich zum Lesen führt, was ja Sinn des Schreiben ist, behelfen wir uns mit der Sprache des deutschen Nachbarn. 

Die Schweizer Mundart ist eine eigene Sprache, die kein schriftliches Pendant hat. Es ist kein «Puuretütsch», denn es wird auch vom Nobelpreisträger und Hochschulprofessor (auch weiblichen) gebraucht, sofern er nicht mit einem Fremdsprachigen kommuniziert. In diesem Fall spricht er entgegenkommenderweise so, wie er normalerweise schreibt oder laut liest. Beim Deutschen kann das Gelächter verursachen, aber man kennt es hier nicht anders. Eine hochdeutsche Aussprache kann man nur in Deutschland lernen. In der Schweiz spricht niemand – wirklich niemand – so wie die Deutschen in Deutschland sprechen. Diese Zweisprachigkeit hat auch Herr Pirmin Frei, Kantonsrat Baar, kürzlich in einem Leserbrief festgestellt.

Zurück zum Kind aus Frankreich. Tauschen wir es gegen eines aus Deutschland. Dann sieht die Sache etwas anders aus. Bereits geübt in Hochdeutsch mündlich – was bei uns nicht gesprochen, sondern nur gelesen wird – hat es einen Vorteil. Es kann sagen, da sowieso alle Schweizer in die «Lesesprache» umschalten, wenn sie mit Deutschen zu tun haben, kann ich mir den Aufwand für das Schweizerdeutsch schenken. Es integriert sich sprachlich nicht und spricht dauernd die Fremdsprache Hochdeutsch. Besser als alle anderen. Die sollen sich anpassen. Was das französische oder brasilianische Kind nicht kann.

Und was wahrscheinlich auch noch ein springender Punkt ist in Zeiten der kulturfremden Personenfreizügigkeit: Steht in den Stellenanforderungen für Kindergärtner und Primarlehrer, dass nur Kandidaten in Frage kommen können, die einen Schweizer Mundartdialekt beherrschen? Also in der Deutschschweiz aufgewachsen sind? Wenn das garantiert ist, kann ich mit dem Gegenvorschlag leben – sonst nur mit dem Initiativtext.

Meinrad Odermatt, Zug

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