Schluss mit Milchbüechli-Denken
Die Stadt Zug verfügt heute über ein Eigenkapital von rund einer Milliarde Franken. Doch wer nur auf diese Zahl schaut, betreibt keine Finanzpolitik. Er macht ein Polaroidfoto vom Milchbüechli. Eigenkapital ist eine Bilanzgrösse und kein Geld auf dem Konto. Wer seriös plant, schaut voraus und rechnet die Ausgaben ein, die bereits beschlossen bzw. absehbar sind.

Und diese Ausgaben sind gewaltig. Auf einen aktuellen Vorstoss der SVP hin hat der Stadtrat erstmals eine Gesamtschau vorgelegt. 975 Millionen Franken stehen im Investitionsprogramm, und gut 700 Millionen davon müssen bis 2035 noch bezahlt werden, mit flüssigen Mitteln. Theilerplatz, Zurlaubenhof, PFAS und altersgerechtes Wohnen sind darin noch nicht einmal beziffert. Rechnet man Teuerung, wachstumsbedingte Bauten und den laufenden Werterhalt dazu, kommen bis 2046 rund 1,8 Milliarden Franken zusammen. Gleichzeitig zahlt die Stadt schon heute über 100 Millionen Franken pro Jahr in den Zuger Finanzausgleich, Tendenz stark steigend.
In dieser Lage eine Villa zu kaufen, ohne weiter zu überlegen, ist nicht nur verantwortungslos. Es ist fahrlässig. Wer so wirtschaftet, gerät früher oder später in Schieflage.
Der immer wieder bemühte Begriff «Arrondierung» klingt verführerisch. Ein Nutzungskonzept ist er nicht. Erst kaufen und dann jahrelang warten, um vielleicht Ideen für eine Nutzung zu finden, die wegen des Denkmalschutzes von Villa und Park ohnehin stark eingeschränkt ist: Das widerspricht jeglicher Sorgfaltspflicht gegenüber den Steuerzahlenden.
Die Milliarde von heute haben Generationen erarbeitet, die haushälterisch gewirtschaftet haben. Sie ist kein Freipass für Prestigeobjekte ohne Plan. Ein Kauf ins Blaue ist kein Geschenk an die nächste Generation. Er ist eine Hypothek, die sie tragen muss.
Darum am 29. November: ein klares Nein zum Kauf der Villa Unterer Frauenstein.
Marcus H. Bühler, Gemeinderat SVP Stadt Zug

