Vernichtung von Lebensqualität
Zum Umbau der Neugasse 1 am Postplatz in Zug – Mit grossem Unverständnis und zunehmendem Ärger verfolge ich die anstehende Gesamtsanierung des historischen «Apothekerhauses» am Postplatz.

Man muss sich die Geschichte dieses Hauses einmal vor Augen halten: 1837/38 von Bäckermeister Joachim Wyss erbaut, eröffnete dessen Sohn Fidel darin einst die Zuger Ur-Apotheke. Ein prägendes Stück Stadtgeschichte! Über die Jahrzehnte wurde das Gebäude weiterentwickelt – bis schliesslich in den 1980er-Jahren mit dem Verbindungsanbau zur Neugasse 3 im Erdgeschoss die nützliche Arkade eingebaut wurde. Zum Nutzen aller Fussgänger.
Und genau diese Arkade soll nun auf Geheiss des Kantons herausgerissen werden, weil sie angeblich «untypisch» sei. Man reibt sich verwundert die Augen. Jahrelang hat der damalige Stadtarchitekt Wagner für Arkaden in unserer Stadt gekämpft. Mancher private Grundeigentümer an der Bahnhofstrasse und an der Neugasse musste dazu den benötigten Platz abtreten und Zugeständnisse machen, damit alle Passanten vor Regen, Schnee und Strassenverkehr geschützt flanieren können. Und was passiert heute? Der Kanton baut für rund 7,7 Millionen Franken um, erstellt einen neuen Zwischenbau und vernichtet dabei mir nichts, dir nichts die Arkade für die Passanten.
Aber Überheblichkeit beim Bauen hat beim Kanton am Postplatz ja mittlerweile Tradition: Es sind schliesslich dieselben Akteure, die uns noch vor Kurzem einen völlig überdimensionierten Betonkoloss als neuen Kantonsratssaal hinstellen wollten – ein untaugliches Mammutprojekt, das glücklicherweise am Veto des GGR gescheitert ist. Wenn es um pompöse Vorhaben oder bürokratische Paragrafenreiterei des Denkmalschutzes geht, sitzt das Geld locker, aber der praktische Nutzen für die Bevölkerung bleibt auf der Strecke.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Nichts gegen eine fachgerechte Instandsetzung historischer Bausubstanz. Aber dass Regierungsrat Florian Weber (FDP) eine solche Vernichtung von Lebensqualität absegnet, ist einmal mehr unverständlich. Der Denkmalschutz wird unter Leitung von Regierungsrat Andreas Hostettler (FDP) völlig übertrieben und weltfremd gelebt. Für eine solche Steuergeldverschwendung auf Kosten der Passanten sollte man sich schämen.
Fredy Rickenbacher, Zug

