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Wenn der gute Wille auf dem Acker endet

Weniger Food Waste, mehr Schweizer Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und eine nachhaltigere Landwirtschaft. Wer will das nicht? Genau darin liegt die Stärke der Ernährungsinitiative und gleichzeitig ihr Problem. Sie verkauft Ziele, über die kaum jemand streitet, als wären damit auch die Folgen geklärt.

In der Landwirtschaft lernt man schnell, dass sich der Acker nicht an politische Wunschzettel hält. Was auf dem Papier logisch aussieht, endet draussen bei Boden, Wetter, Ertrag und Absatz. Dort wird die Rechnung schwieriger.

70 Prozent Selbstversorgung klingen nach mehr Unabhängigkeit. Nur misst diese Zahl Kalorien, nicht Autarkie. Auch eine Schweizer Ernte braucht Saatgut, Dünger, Maschinen, Treibstoff und Ersatzteile. Vieles davon kommt weiterhin aus dem Ausland. Eine höhere Prozentzahl macht aus der Schweiz noch keine Insel.

Noch grundsätzlicher ist die Forderung nach mehr pflanzlicher Produktion. Rund 60 Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche eignen sich gar nicht für Ackerbau. Im Berggebiet wächst Gras, kein Hartweizen. Kühe, Schafe und Ziegen machen aus diesem Gras überhaupt erst Lebensmittel. Weniger tierische Produktion bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Fläche für Linsen, Gemüse oder Brotgetreide.

Auch auf gutem Acker wächst nicht einfach das, was politisch erwünscht ist. Für Teigwaren braucht es Hartweizen, für andere Produkte bestimmte Qualitäten. Klima, Boden und Markt lassen sich nicht per Verfassungsartikel bestellen.

Dann folgt der nächste Widerspruch. Die Initiative will mehr Inlandproduktion und gleichzeitig tiefere Umweltbelastungen. Sorge zu Boden und Wasser ist richtig. Doch wenn strengere Vorgaben den Ertrag senken, wird deswegen nicht weniger gegessen. Fehlt die Ware hier, kommt sie von dort. Bleibt der Konsum tierischer Lebensmittel gleich, müssten bei tieferer Schweizer Produktion mehr davon importiert werden. Die Umweltbelastung wäre nicht verschwunden, sondern lediglich ins Ausland verlagert.

Ähnlich verhält es sich beim Food Waste. Ein altes Brot ist nicht zwingend Abfall. In landwirtschaftlichen Kreisläufen kann es beispielsweise als Tierfutter weiterverwendet werden. Weniger zu verschwenden, ist sinnvoll. Aber weniger zu produzieren und zu hoffen, damit verschwinde die Verschwendung, verwechselt Ursache und Wirkung.

Und schliesslich der Preis. Schweizer Landwirtschaft arbeitet mit hohen Löhnen, kleinen Strukturen und teuren Maschinen. Wer mehr Inlandproduktion fordert, muss akzeptieren, dass Schweizer Produktion ihren Preis hat. Gleichzeitig mehr Auflagen, mehr Selbstversorgung und tiefe Ladenpreise zu verlangen, ist keine Strategie. Es ist eine Wunschliste.

Ich bin für mehr Versorgungssicherheit. Gerade deshalb überzeugt mich diese Initiative nicht. Versorgungssicherheit entsteht durch robuste Betriebe, funktionierende Märkte, genügend Produktionsmittel und Bauern, die produzieren können. Nicht durch eine politisch festgelegte Menükarte.

Gute Absichten ersetzen keine saubere Rechnung. Wenn am Ende weniger Schweizer Lebensmittel produziert, dafür mehr importiert und zusätzlich der Konsum gelenkt werden muss, ist das Gegenteil von Ernährungssicherheit erreicht.

Darum sage ich Nein zur Ernährungsinitiative.

Simon Speck
Präsident JSVP Kanton Zug

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