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Wohnungsnot in Zug – nicht die Steuern sind das Problem

Leserbrief von Michael Felber vom 08.09.26
M. Felber sucht die Schuld an der Wohnungsknappheit bei der Tiefsteuerstrategie und betreibt dabei selbst das, was er der SVP vorwirft: Wahlkampf statt Sachpolitik.

Sein Kausalzusammenhang, wonach tiefe Steuern Reiche anlocken, die wiederum den Wohnungsmarkt hochtreiben, klingt griffig, hält aber einem Vergleich nicht stand. Auch in Genf, Basel und Zürich, Städten mit deutlich höherer Steuerbelastung als Zug, steigen die Mieten seit Jahren kontinuierlich. Wäre die Steuerstrategie tatsächlich der Treiber, müssten diese Städte verschont bleiben.

Der gemeinsame Nenner liegt woanders: Zuwanderung gepaart mit tiefen Zinsen, gestiegene Baukosten und immer trägere Bewilligungsverfahren betreffen die gesamte Schweiz, unabhängig vom Steuerfuss. Wer die Knappheit einzig auf die Zuger Finanzpolitik reduziert, blendet diese gesamtschweizerische Entwicklung bewusst aus und suggeriert einen Zusammenhang, den die Fakten nicht hergeben.

Bemerkenswert ist zudem, wie selbstverständlich Felber dem Kanton seinen wirtschaftlichen Erfolg vorhält. Gerade diese Standortattraktivität sichert Arbeitsplätze, finanziert Infrastruktur und schafft die Spielräume, die es für zusätzlichen Wohnraum braucht. Erfolg zum Vorwurf zu machen ist kein Konzept, sondern Ressentiment.

Hinzu kommt eine Ironie, die im Leserbrief unerwähnt bleibt: Wenn es um konkrete Verdichtungsprojekte vor Ort geht, sind es nicht selten linke und grüne Kreise, die sich mit Einsprachen und Beschwerden gegen genau jene Bauvorhaben stellen, etwa beim Metalli oder Projekt Pi, die den Wohnungsmarkt entlasten würden. Wer mehr Wohnraum fordert, aber Verdichtung vor der eigenen Haustür bekämpft, betreibt Scheinheiligkeit.

Die Mitte tritt gegen Polarisierung an. Wer sie mit solchen Leserbriefen befeuert, untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit. Wohnungspolitik braucht vorab eine ehrliche Ursachenanalyse statt bequemer Feindbilder.

Marcus H. Bühler, Gemeinderat, SVP Stadt Zug

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